Echsen

Ich mache mit Echsen weiter, Schleichartigen, Warane, im Nachhinein nicht mehr genau zu bestimmen, ich google seit Stunden Bilder, aber alle Warane sehen leicht anders aus als meiner, der an einer Gittertür hochgekraxelt ist und eine gebänderte Haut aufweist. Waranhaut ist sehr beliebt und reißfest, man lagert lebendig Bindenwarane zb tagelang mit zusammengebundenen Beinen und tötet sie mit einem Hammerschlag auf den Kopf, wenn sie Glück haben, sonst häutet man sie bei lebendigem Leib. Das Gehege sieht ramponiert aus, von den Wänden bröckelt Putz bis genau zu der Höhe, wohin der Waran reicht. Als studentische Hilfskraft habe ich mal zum aufrechten Gang geforscht, der hat ja anatomisch begünstigt, dass Greifhände frei wurden und sich Kehlkopf und Sprache bilden konnten, bei Zirkusnummern gehört es dazu, dass man schwerfällige Vierbeiner gern in die Aufrechtstellung bringt. Der Waran an der Gittertür sieht aus, als wenn er wartet, irgendjemand kommt täglich von der anderen Seite und liest ihm die Zeitung vor, den Wirtschaftsteil und wie das Wetter wird, das ihn nicht scheren muss, dann schiebt er seine gespaltene Zunge hervor und schlackert sie ein bisschen, wie zum Aufnehmen des Geruchs von Druckerschwärze.

3 thoughts on “Echsen

  1. Ich fürchte, noch gar nicht, dies hier ist ja eine Art Notblog, schnell eingerichtet, so wie eine Notkirche, wie sie Schinkel mal baute. Damit man überhaupt etwas zur Andacht hat und ein paar Kerzen brennen, wenn die Zeiten und die Mittel gerade für mehr nicht reichen, ich versuche mit der Zeit alles zu optimieren.

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