Alexandre Kojève (in Giorgio Agamben, Das Offene. Der Mensch und das Tier)

“Wenn der Mensch wieder Tier wird, so müssen auch seine Künste, seine Liebe, seine Spiele wieder rein ‘natürlich’ werden. Man müßte also eingestehem, daß die Menschen nach dem Ende der Geschichte ihre Gebäude so errichten werden, wie die Vögel ihre Nester bauen und wie die Spinnen ihre Netze weben, daß sie Konzerte wie Frösche oder Zikaden spielen werden, daß sie spielen werden wie junge Tiere und lieben werden wie erwachsene Tiere. Aber man könnte nicht behaupten, daß all dies ‘den Menschen glücklich’ macht. Man müßte sagen, daß die posthistorischen Tiere der Gattung homo sapiens (die im Überfluß und in völliger Sicherheit leben werden), in Bezug auf ihr artistisches, erotisches, spielerisches Verhalten befriedigt sein werden, da dies ihrer Definition entspricht.”

Es ist erstaunlich, dass sich der Mensch als Mensch am Ende der Geschichte wieder herausrechnet, wo doch eigentlich täglich noch mal wie viele Arten aussterben? Wahrscheinlich scheint mir das nicht, wahrscheinlich wäre doch viel eher Kannibalismus, keine Tiere mehr über, die man noch essen könnte, und der Mensch dem Mensch der berüchtigte Wolf, der er jetzt auch jeder anderen Art schon ist. Kein Tier könne ein Snob sein, schreibt Kojève.

Frei Otto, Gaudi, van de Velde und wie heißt der Belgier noch, Horta, ja, Horta, haben ja nach den Gesetzen der Natur zu bauen versucht, bis heute schaut man sich ab, wie macht die Natur das eigentlich, ein bisschen seltsam allerdings, zu meinen, sie fände an sich schon immer die beste Lösung, Weberknechtvögel stehen ja im Ruf ganz lausige Baumeister zu sein etwa, und wenn ich unsere Haustauben so sah, nahmen die unversehens zugewiesene Nistplätze an, statt selber ihre lustlos zusammengehauenen Nester aufzusuchen. Der Mensch scheint vom Gedanken beseelt, dass das Tier nicht irren könne, aber hat nicht manch eine Python schon ihr Fassungsvermögen überschätzt?

Das Tier ist also befriedigt, aber es kennt kein Glück. Heißt, wer das Glück kennt, kennt auch die Unbefriedigung. Hm. Ein Teil des Glücks ist aber sicher auch die Befriedigung, was ist dann also der andere, der menschliche Teil, das Surplus?

3 thoughts on “Alexandre Kojève (in Giorgio Agamben, Das Offene. Der Mensch und das Tier)

  1. dieser agambentext ist eine fundgrube. er berichtet auch von einer mittelalterlichen auffassung, nach der der männliche penis vor dem sündenfall beweglich und steuerbar wie eine hand war.

  2. Also, Du meinst, er liefert einen Grund für berechtigten Penisneid. Zumindest nutzen Neuweltaffen ihren Schwanz als dritte Hand, vielleicht auch eine unglückliche Übersetzung alter Schriften und es war eher der andere Schwanz gemeint? Scheint mir wahrscheinlicher, wenn es auch eine lustige Vorstellung ist.

  3. oha! postlapsarian organe. ist das so: mit einem strauchelnden machtorgan kam das böse in die welt? das unheil der angeketteten impotenz in der mitte? kross!! hätten wir frieden, wenn es permanierte? bei allen? und auch die frauen eines hätten? so dass man um den fortbestand des eigenen nicht mehr fürchten müsste?

    glück ist nur für konsumenten. tiere brauchen das nicht. ich arbeite daran. befriedigung, die kein garant für sinn sein muss, wäre vermutlich sehr befriedigend. zumal danach!

    möpse! möpse können snobs sein. sehr gut sogar.

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