Das Jagdbuch des Gaston Phébus

Fallen sind meist temporäre Architekturen für Tiere. Der Graf von Foix tat sich im 14. Jhdt mit seinem schön bebilderten Livre de Chasse hervor. Er soll 1500 Hunde besessen und das Buch für Philipp den Kühnen von Burgund verfasst haben. Jagd war in seinem Gebiet nicht allein Vorrecht das Adels, jeder Freie, heißt es, durfte ebenfalls jagen. Ich kaufte das Buch im Jagdmuseum in Paris, es zeigt auch, wie die Fallen verfertigt werden, unterschiedliche Netzformen werden geflochten, die man etwa vor Kaninchenlöchern anbringt. Oder man lockt den Wolf mit einer Blutspur eines toten Schafes in ein Rondell mit Tür im äußeren und Schaf im inneren Weidenrutenkreis. Trittfallen, Gruben und Hatzparcours aus Weidenrutenzäunen. Im Jagdmuseum Born erzählte man uns, dass auf dem Darß für Göring immer Wild zusammengetrieben wurde, an einer Stelle, die sie Hirschhinrichtungsstätte nannten, dann spielte man uns noch Der Wald erschallt vor und rekapitulierte das dritte Raesfeldsche Hegegesetz, bis man uns zum Ganzkörperpräperat Verkämpfte Hirsche führte. Das Gesetz erinnere ich ungefähr so: schieße nie mehr, als notwendig und hege nie mehr, als du schießen kannst.

Zur Jagdsaison hieß es immer, Mädchen, nimm Deinen Hund an die Leine, sonst schießen wir ihn tot. Als Kind hatte ich panische Angst, sie machen damit ernst, schon wenn er nur einem Kaninchen hinterherjagte, nahm ich an, es sitzen ganzjährig Jäger auf den Hochsitzen, die auf nichts anderes warten, als den freilaufenden Haushund einer unbedarften Jugendlichen zu exekutieren. Katzen, die nicht mehr Heim kamen, musste man ihnen ganz sicher zurechnen. Aufgrund unserer verschwundenen Katzen fürchtete ich die Willkür der Jäger, die mir gar keiner Regel zu unterliegen schien, außer der, dass sie einfach Tiere totschießen durften, wenn Saison war, Hund, Katze, Kaninchen, Rotwild, war da scheinbar egal, so kam es mir vor. Und auch, dass noch beinahe jeder eine Waffe auf dem Dorf hatte, wo man noch Schützenfest feierte, war da nicht verwunderlich. Unser Nachbar schoß mal Kaninchen in unserem Garten und verstand es als Nachbarschaftshilfe.

“Das Wildkaninchen

Obwohl es sich den ganzen Tag in seinem Bau verkriecht, ist das zeugungsfreudige Kaninchen doch eine rechte Schwärmer- und Trödelnatur. In der Dämmerung macht es sich mit seinen Artgenossen auf die Suche nach seinen bevorzugten Kräutern oder stellt hitzig einem Weibchen nach, nachdem es mit einem kräftigen Pfotenschlag auf die Erde seine Entschlossenheit zum Ausdruck gebracht hat.

Trifft man es ausserhalb seines Geheges an, jagt man das Wildkaninchen mit einem Spaniel; aus seinem Bau lockt man es mit einem Frettchen, diesem gefrässigen Eindringling, dessen Geruch allein das Kaninchen nicht erträgt. Wie der Blitz schiesst es aus seinem Bau, hinein in das Netz des Jägers, der es schon als duftendes Schnetzelfleisch im Topf sieht.”

2 thoughts on “Das Jagdbuch des Gaston Phébus

  1. unlängst lernte ich das verb FRETTIEREN, als der kästchen-assistent des falkners ein zitronenblondes frettchen in den kaninchenbau herabließ, und der assistent des falkners sagte: DAS HEISST MAN FRETTIEREN.

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