Gnothi sauton oder Magazin zur Erfahrungsseelenkunde als ein Lesebuch für Gelehrte und Ungelehrte herausgegeben von Carl Philipp Moritz, Berlin 1786

“Nur der Deutsche hat besondere Worte für die physikalischen Handlungen der Thiere: in allen anderen Sprachen, die mir etwa bekannt sind, selbst im Ebräischen, im Griechischen, Lateinischen, Italienischen, Französischen, sogar im Englischen, das doch vom Deutschen herstamme, essen, trinken, sterben die Thiere, wie wir; nur bei den Deutschen fressen, saufen, verrecken sie. Woher dieser Menschenstolz? Diese uns eigne Herabsetzung der Thiere, die mir nicht gefällt; der ich, ohne übertriebene Liebe oder Vorurtheile gegen die Thiere, doch Pflichten wenigstens an den Thieren, wenn auch nicht gegen sie, glaube, und ein stolzer Freund und Patron der Thiere bin, daß ich z. B. keinen Hund, keine Katze aufjage, wenn sie auf einem Stuhle liegen; sondern mir, oder jemand anders, lieber einen Stuhl herbei hole und dem Muhamed, wo nicht nachahme, doch applaudiere, der seinen Rockermel abschnitt und liegen ließ, weil eine Katze darauf lag. (…) Wenigstens hat der Deutsche für die Begattung fast jeder Thiere ein eignes Wort, falzen, rammeln, horsten, beschellen, bespringen, belegen u. f. f.”

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