Bei W. Benjamin sind die Otter die heiligen Tiere des Regenwassers. An ihrem Gehege stand er in seiner Berliner Kindheit oft und konnte nicht sagen, ob nicht alle Wasser der Stadt dort zusammenflössen, um die Otter zu speisen. Ich nahm die Otter im Speiskübel in Santa Barbara auf. Symbiotisch verwachsen und bereit für die nächste Sintflut.

Der Ottertext fällt mir schwer, er ist für meine Begriffe der Zentraltext in Benjamins Berliner Kindheit: “Doch wenn ich in sein Wasser blickte, war mir immer, als stürze Regen in alle Gullys der Stadt, nur um in dieses Becken zu münden und sein Tier zu speisen. Denn es war ein verwöhntes Tier, das hier behaust war und dem die leere, feuchte Grotte mehr als Tempel denn als Zufluchtsstätte diente. Es war das heilige Tier des Regenwassers. Ob es aber in den Abwässern und Wässern sich gebildet habe oder von seinen Strömen und seinen Rinnseln sich nur speise, hätte ich nicht entscheiden können. Immer war es aufs äußerte beschäftigt, so als wenn es in der Tiefe unentbehrlich sei.”

Das sich bilden in den Gewässern deutet ja schon an, dass es auf die Entstehung ersten Lebens zurück will, und in der Tiefe unentbehrlich sein, hat etwas davon, wie es ist, wenn man als Besucher Einblick nimmt, aber doch nie ein Eingeweihter sein darf.

Das größte Glück schien mir immer, wenn Kontaktnahmen gelangen, das erklärt wohl auch die Zugriffszahlen dieses Homevideos eines Otters im San Diego Zoo.

Offenbar gibt es eine Art Sehnsucht danach, die andere Gattung zu verstehen und sich ihr verständlich zu machen, Konrad Lorenz, Pferdeflüsterer, oder die Frage Thomas Nagels danach: What is it like to be a bat?

Sich unter vielen auf der anderen Seite des Käfigs gemeint fühlen, letztlich beginnt damit alles wichtige im Leben. Und das schon innerhalb der eigenen Gattungsgrenzen, wie beeindruckt war ich von David Thewlis in Mike Leighs Naked, der nachts ziellos durch Londons Straßen streunt, als er einen Underdog, der ohne Unterlass autistisch nach seiner verlorenen Freundin Mä-g-äää brüllt, fragt: Ey, wie issen das, wenn man so ist?

Vielleicht ist es genau das, was ich in Erfahrung bringen möchte, wie issen das, wenn man so ist? Wenn man mit einem körpereigenem Echolot orten kann, oder eins der dichtesten Tierfelle im Tierreich besitzt. Da ich einen kleinen Horrortick habe, spielt wohl auch der mit hinein, Tiere sind ja häufig mit sehr viel besseren Sinnen versorgt und der Horror beginnt immer da, wo menschlicher Verstand und tierisch geschärfte Sinne zusammen geführt werden, um ein Wesen mit übersinnlichen Kräften zu erschaffen.

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