Den Zoo erzählen

Mit Frank Kasper, der für ein Radiofeature anfragte, lief ich noch 4 Stunden durch den Berliner Zoo letzten Herbst und wir sprachen lange darüber, dass der Zoo auch ein Wunsch nach Übersicht und Kontrolle bedeute, fast wie ein Autor, der nicht vom auktorialen Erzählen lassen kann, und ich sagte, ich wüßte nie, was dabei herauskäme, wenn ich schriebe und wüßte ich es, dann hätte ich keine Lust mehr, mich noch hinzusetzen und die sklavische Exekutive meiner eigenen Ideen zu sein, so sei ich vermutlich eben deshalb kein Erzähler geworden, weil ich mich zu gern treiben lasse und keine Herrschaft über meinen Stoff anstrebe, weil ich nicht daran glaube, dass man Überblick gewinnen könne, für mich sei eben alles Ausschnitt, Fragment. Hätte ich Überblick haben wollen, wäre ich vermutlich Kartograph geworden. So wie Adalbert von Chamisso die Küsten Alaskas kartographiert hat und das Wort Parka erfunden haben soll, nicht ganz so dicht wie ein Otterfell, aber auch warm. Oft drück ich mich vor dem Buch, weil ich eben doch schon ein bisschen recherchiert habe und schwöre mir, ich schreibe nie mehr was, von dem ich meine, ich müsste mich erst schlau machen, total beknackt finde ich ja eigentlich den ganzen Realismuszwang, nur ganz ablegen kann ich ihn selbst wohl leider auch nicht.

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